Medienberichte 

Thema Vorarlberg 06/2026


Leben im Kreisverkehr 

Kürzlich brachte ein Klient ein besonderes Bild mit, das mir geblieben ist. Er „flitze“ durchs Leben, sagte er, als fahre er in einem Kreisverkehr und verpasse ständig die Ausfahrt. Jede Runde werde er schneller. Er habe das Gefühl, nicht mehr Herr über seine Zeit zu sein. Und vor allem: Der Tag habe zu wenig Stunden für all das, was unterzubringen sei. Ein Leben voller Fülle. Oder auch das Gegenteil… 

Solche Sätze höre ich in der psychosozialen Beratung häufig. Sie erzählen von Überforderung, aber auch von einem stillen Verlust: nämlich dem Verlust der Zeitsouveränität und Selbstbestimmung. Das ist eines der großen Themen unserer Zeit. Nicht nur, weil KI oder andere Hilfsmittel Jobs übernehmen, sondern weil wir – trotz aller technischer Unterstützung - viel zu tun haben. Und weil wir oft kaum noch unterscheiden zwischen dringend und wichtig, zwischen Pflicht und Leben. 

 

Luxus Zeit 

Zeit zu haben, ist der neue Wohlstand, der neue Luxus. Wann haben Sie das letzte Mal zu jemandem sagen können: „Ok. Ich habe Zeit.“?  Zu oft funktionieren Menschen im Modus des Abarbeitens, des Reagierens, des „noch schnell dazwischen“. Doch ein erfülltes Leben heißt nicht Dauererfüllung von Aufgaben. Es braucht Pausen, damit Erfahrungen überhaupt ankommen können. Innehalten und sich Zeit für etwas nehmen. Echte Momente erkennen, schätzen, erleben und schlussendlich speichern. Anstatt Nonstopp durch den Kreisverkehr. Wer immer schon beim nächsten Termin ist, verpasst leicht das Eigentliche. 

Hier setzt psychosoziale Beratung an:  Nicht mit Patentlösungen, sondern mit einem Blick von außen. Mit einem einfachen Start in Form einer Standortbestimmung:  Wofür geht meine Zeit drauf? Was nährt mich, was zehrt mich aus? Wo bin ich fremdbestimmt, wo gestalte ich selbst? Und wo ist in meinem Tag Platz für Schlaf, Erholung, Beziehung, Gesundheit und Nachdenken? 

 

Erholung – Fixstarter im Zeitplan 

Ein einfaches Tortendiagramm mit Angaben zur eigenen Zeit und Energie erstellen – das kann dabei erstaunlich aufschlussreich sein: Manche merken erst beim Eintragen, dass sie zwar alle Aufgaben des Lebens gut berücksichtigt haben – nur die eigene Regeneration, den Schlaf, nicht. Dabei ist Erholung die Voraussetzung dafür, dass Leistung, Klarheit und Präsenz überhaupt möglich bleiben. 

Das gilt im Beruf genau so wie im Privaten: Wer immer nur funktioniert, funktioniert vielleicht an seiner Bestimmung, an seinem Leben vorbei. Wer nicht innehält, verliert den Überblick – und auch den Kontakt zu sich selbst.  

 

Innehalte und Fokussieren 

In der Beratung stärken wir die Fähigkeit, wieder achtsam mit sich selbst und den eigenen Ressourcen umzugehen. Bei sich zu bleiben, bevor man sich völlig verliert. Innehalten für den Überblick. Im geschützten Raum der Beratung können Menschen sortieren, priorisieren und neue Perspektiven gewinnen. Für manche sind es berufliche Fragen, für andere private Belastungen, für wieder andere die Suche nach einer gesünderen Balance zwischen Anforderungen und Lebenszeit. 

Vielleicht ist genau das die eigentliche Frage: Wie viel von meinem Leben will ich im Kreisverkehr verbringen? Und wo will ich wieder bewusst ausfahren? 

 

 

Zum Download: THV - Leben im Kreisverkehr
Kolumne im THEMA VORARLBERG

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Thema Vorarlberg 04/2026


Wenn der Obstkorb nicht reicht 

„Wie soll ich das alles unter einen Hut bringen?“ - Diesen Satz höre ich in meiner Arbeit als psychosoziale Beraterin erstaunlich oft. Von Mitarbeitenden, von Führungskräften – manchmal sogar von Unternehmerinnen und Unternehmern selbst. 

Die Motive dahinter sind meist ähnlich: Wie gehe ich mit ständigem Zeitdruck um? Wie treffe ich eine wichtige und richtige Entscheidung? Wie spreche ich einen Konflikt im Team an? Oder: Warum stört mich ein privates Problem auch noch ständig im Job? 

Genau hier beginnt eine einfache Erkenntnis: Probleme bleiben nicht vor der Firmentüre stehen. Was Menschen beschäftigt, kommt mit zur Arbeit – und wirkt sich dort aus. Auf Konzentration, Motivation, Kommunikation und manchmal auch auf das Arbeitsklima im Team. 

Viele Unternehmen investieren umfassend in betriebliche Gesundheitsförderung: Ergonomische Arbeitsplätze, Fitnessangebote oder ein Obstkorb gehören heute fast selbstverständlich dazu. Das ist gut. Doch Gesundheit besteht nicht nur aus Bewegung und Ernährung. Auch die psychische und seelische Balance spielt eine zentrale Rolle. 

 

Deshalb erweitern innovative Unternehmen ihr Angebot um eine externe, neutrale Anlaufstelle für psychosoziale Beratung. Dabei geht es nicht um Therapie oder Diagnosen, sondern um lösungsorientierte Kurzzeitberatung für gesunde Menschen. Menschen, die vor Herausforderungen stehen, Entscheidungen treffen müssen oder einfach einmal einen neutralen Blick von außen auf ein sie beschäftigendes Thema brauchen. 

Und die Themen sind so vielfältig wie das Leben selbst: hoher Arbeitsdruck, Konflikte im Team, Unsicherheiten in einer neuen Führungsrolle, private Belastungen, Selbstwertfragen, Orientierung und Priorisierung sowie schwierige Entscheidungen. 

 

Ein paar Beispiele aus der Praxis:
Eine junge Führungskraft zweifelt nach einer Beförderung an sich selbst und hat das Gefühl, allem gerecht werden zu müssen. In wenigen Gesprächen gelingt es, Prioritäten zu klären und Sicherheit in der neuen Rolle zu gewinnen.
Ein Mitarbeiter ist durch private Sorgen so belastet, dass seine Gedanken ständig abschweifen. Ein vertrauliches Gespräch hilft, die Situation zu sortieren und erste Schritte zur Entlastung zu entwickeln.
Oder ein Team merkt, dass Spannungen entstehen, aber niemand spricht sie offen an. Eine moderierte Teamsupervision schafft Raum für Klarheit – und plötzlich wird wieder miteinander statt übereinander gesprochen. 

 

So ein Beratungsangebote sind für Unternehmen vergleichsweise kostengünstig, ihre Wirkung kann jedoch beträchtlich sein. Zufriedenere Mitarbeitende, weniger Fehlzeiten, stabilere Teams und eine stärkere Bindung an das Unternehmen sind mögliche Effekte. Gleichzeitig ist ein ganzheitlicher Umgang mit Gesundheit auch ein wichtiger Faktor in Sachen Arbeitgeberattraktivität. 

 

Bleibt die Frage: Warum fällt es uns eigentlich so schwer, Unterstützung zu holen?
 Mit Zahnschmerzen gehen wir selbstverständlich zum Zahnarzt. Wenn das Auto seltsame Geräusche macht, bringen wir es in die Werkstatt. Nur wenn der Kopf nicht mehr zur Ruhe kommt, versuchen viele, alles alleine zu lösen. 

 

Dabei reicht manchmal schon ein Gespräch mit einer neutralen Person, um einen Knoten zu lösen. Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden diese Möglichkeit bieten, investieren nicht nur in Gesundheit. Sie investieren in Klarheit, Stabilität und Zukunftsfähigkeit. 

Oder anders gesagt: Ein Obstkorb ist nett. Aber manchmal braucht es jemanden, der aus Belastung wieder Handlungsfähigkeit macht.

Zum Download: THV - Wenn der Obstkorb nicht reicht
Kolumne im THEMA VORARLBERG

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Vorarlberger Nachrichten

02/2025


Gesundheitsredakteurin Marlies Mohr von den  Vorarlberger Nachrichten hat einen erfreulichen Bericht über mich und meinen Werdegang, meine Motivation und meine Beweggründe zur Berufsentscheidung "psychosoziale Beraterin" geschrieben.
Vielen Dank!


Zum Nachlesen: Mit der Seele zur Beratung